Die ultimative Antwort auf die Frage, warum Gendern eben doch einen Unterschied machen kann.

Ja, Gendern. Ein viel umstrittenes Thema und diese Streits sind auch außerordentlich häufig ziemlich emotional. Und das nicht nur von Betroffenen (also die, die entweder beim Gendern mitgesprochen bzw. eben sonst nicht mitgesprochen werden), sondern auch von Menschen, die gar nicht so betroffen zu sein scheinen auf den ersten Blick.

Denkt man zumindest.

Denn natürlich sind alle von Sprache betroffen.
Und natürlich sind auch alle von diesem System betroffen, das sich in unserer Sprache nur widerspiegelt: patriarchale Strukturen sind einfach tief angelegt in unserer Gesellschaft.

Und dann gibt es noch die Betroffenen (meist Frauen*), die es vehement ablehnen, sprachlich sichtbar zu sein. Oder auch die 'Extrawurst' ablehnen. Extrawürste bestellen und damit mehr Raum einnehmen kann durchaus eine Herausforderung sein. Vor allem wenn man gesellschaftlich nicht diese Rolle zugeschrieben bekommen hat (und sich das in der Erziehung widerspiegelte). Aber auch, wenn man damit absolut kein Problem hat, Raum einzunehmen, und deswegen auch noch nie an äußere, strukturelle Mauern gestoßen ist. Vielleicht auch, weil man keinen Beruf in einer 'falschen' Branche gewählt hat.

Jedenfalls gibt es eine zunehmende Gruppe an Menschen, deren Wunsch nach Sichtbarkeit immer größer wird. Die merken, dass sprachliche Sichtbarkeit eben da mit dran hängt.

 

So. Und jetzt zurück zu der Frage, warum Gendern eben doch einen Unterschied macht.

Was passiert, wenn wir miteinander sprechen?
Wir setzen Gedanken in Worte um. Wir drücken Bilder aus. Und während wir zuhören, nehmen wir Bilder von anderen auf. Gleichen sie mit unseren ab, wandeln sie um, pflegen sie ein.

Wörter formen und entspringen also (inneren) Bildern.

Und sind diese Bilder dann auch wirklich meistens Männer*?

Studien mit Kindern sagen 'ja'. Tatsächlich werden in erster Linie Männer* assoziiert, wenn es um die Imagination vieler Berufe geht (genauso Frauen* wenn es um die typischen Care-/Pflege-Berufe geht).
Das ist ja durchaus auch ein Bild, das häufig noch der Realität entspricht.

Aber es schränkt ein.

Es schränkt Menschen ein, die sich eigentlich inspiriert fühlen, ein ganz anderes Bild zu leben als das sprachlich gängige.

Und ja, theoretisch gibt es keine Diskriminierung mehr in unserer westlichen Welt, in der Frauen* offiziell vor Diskriminierung geschützt sind.
Aber wart ihr mal als Frau* in einem Tech-Kontext unterwegs? Es ist eben nicht 'üblich', weil es dem Bild nicht entspricht. Und über 50% Nicht-Cis-Männer werden die Tech-Industrie im Laufe des Lebens verlassen.

Klar, es gibt immer Mobbingfälle. Darum geht es jetzt aber nicht.
Sondern das offene und inklusive Betriebsklima. Die gemeinsame Sprache (ha, da sind wir wieder!). Werden Frauen* auf Augenhöhe betrachtet oder kriegen sie doppelt so viel (und ungefragt) erklärt? Wie wird über Frauen* gesprochen? Wer holt Getränke? Wie ist allgemein die Atmosphäre auf der Arbeitsstelle?

An dieser Stelle ein wenig Inspiration:
Ein Brief an den IT-Prof ihrer Tochter (engl.)
Ein älterer, aber unverändert relevanter Artikel über die Tech-Industrie (engl.)
Unser Support für Awareness zum Mitnehmen - 17 Fragen zum Weltbeobachten.

Es schränkt übrigens auch Mädchen* ein, wenn sie sich über ihre Berufswahl Gedanken machen! (Vervecken, D.)

Ja, und letztendlich gelten viele Einschränkungen auch für Männer* und Jungs*.

Es ist einfach mist, dass es zu wenig Bilder gibt. Es ist mist, dass wir dadurch in kleineren Möglichkeiten denken.
Und es ist mist, dass dadurch Talente, Inspirationen, Lebensentwürfe einfach nicht gelebt werden.

Denn es braucht viel Kraft, um neue Bilder zu formen und gängige Bilder zu ignorieren.
Gendern schafft sprachlich neue Bilder. Und erleichtert es (jungen und älteren) Menschen, diese nach ihrem eigenen Wunsch zu besetzen. Ihrem Herzen zu folgen. Wirklich beizutragen.
Und diese Menschen könnten irgendwann wir sein.

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Tizia
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