Expert_innen gesucht! #crackingtheceiling #panel

Weibliche Sichtbarkeit. Das ist genau unser Thema. Während wir das bei dem Riesenthema der deutschen Sprache forcieren, ist gerade aber auch die Sichtbarkeit in Expert_innen-Runden ein super relevantes Thema.

Darum ging es auch bei dem Panel letzte Woche Freitag bei der kleinen „Cracking the Ceiling Conference“ der Hertie School of Governance in Berlin. „Female Empowerment durch Digitalisierung“ – da mussten wir hin!

Und wir sind auch nicht enttäuscht worden. Die Keynote von Valerie Mocker (Twitter @vkmocker) zur praktischen Erhöhung der Frauenquote in ihrem eigenen Unternehmen ließ zwar noch viel Raum für Diskussionen in einem komplexen Themenfeld, war gleichzeitig  aber auch ausgesprochen inspirierend und charmant und pointiert vorgetragen.

Und, tadaaa: Das Panel bestand zu 50% aus Frauen*!! Dabei waren das auch nicht alles die Feminismus-Expert_innen, sondern vertraten mit Ricarda Wagner (@ricardawgnr) durchaus auch das Spektrum der digitalen Expertise.

Dass es eine Herausforderung darstellt, weibliche* Speaker_innen zu gewinnen wurde tatsächlich auch thematisiert um Laufe der Veranstaltung.

 

Ein komplexes Thema

Ihr merkt, es ist ein komplexes Thema. Viele Frauen auf dem Podium sollen es sein.
Die allerdings schwer zu finden sind.
Und dann sollen sie auch nicht nur über Feminismus (Wo ja dann eigentlich ihre naturgegebene Expertise liegen würde!!*Ironie*) reden, sondern bestenfalls auch noch über Technik und andere Themen.
Fordern wir da nicht ein wenig viel?? Warum spielt das überhaupt eine Rolle?

Okok. „Fordern wir da ein wenig viel.“
Ganz schwierige Aussage.
Erst einmal ist es ohnehin schon so ne Sache, dass das gefordert werden muss. Dass das Augenmerk darauf gelegt werden muss, auf den Umstand der Unausgeglichenheit öffenlicher Stimmen. Warum ist es nicht selbstverständlich, dass ein Abbild der Gesellschaft auch als Expert_innen sichtbar gemacht werden?

Nun, die Rolle der Expertin* ist etwas neues. Auf Jahrhunderte, in denen nur Männer studieren konnten, folgten weitere Jahrzehnte (hoffen wir, dass das keine Jahrhunderte werden!), in denen die Expertise (also eine wissenstechnische Vormachtstellung) nach wie vor männlich* reserviert ist.
Privilegienerhalt nennt sich das.
Gibt Mann aber selten zu. (Wichtige und zunehmend viele Ausnahmen bestätigen hier die Regel! #bestermitgründer #maleallies #<3)

Übrigens meinen wir damit ganz und gar nicht effektives Wissen! Sondern rein die Rolle des_der Expert_in.
Wer ist befugt, zu einem Thema zu sprechen? Und wer hält sich lieber zurück?

Das leitet über zum nächsten Punkt:

Die Unsichtbarkeit weiblicher* Expert_innen

Ja, es ist schwerer. Frauen* reagieren weniger auf Interview- oder Speaker_innen-Anfragen.
Vielleicht weil es ihnen weniger bedeutet, vielleicht, weil es weniger in ihren Alltag passt, vielleicht aber auch, weil sie sich den Raum nicht nehmen wollen.

So, und warum ist es dann so wichtig, dass man trotzdem die Arbeit auf sich nimmt?
Gegengedanke: Was hätte das Recht zum Studieren genutzt, wenn keine Frau* das wahrgenommen hätte?

Rechte müssen wahrgenommen werden. Und Räume müssen gefüllt werden. Sie bleiben selten leer, sondern im Zweifel nehmen sich andere Gruppen diesen Raum. Vermutlich Männer*. Nicht, weil sie absichtlich „böse“ sein wollen – aber weil es ihnen so beigebracht wurde, dass es ihr gutes Recht und fast schon ihre Pflicht ist. Und weil leere Räume zwar recht ästhetisch sein können, aber soziologisch einfach unrealistisch sind.
Nicht-Cis-Männer müssen sich aufgefordert fühlen, in die Öffentlichkeit zu treten und sich am Diskurs zu beteiligen – auch wissenschaftlich. Für diese Aufforderung und Einladung sollten alle Veranstalter_innen auch die Extra-Meile gehen.

Nicht wegen des Geschlechts

Und das bitte nicht aus dem Grund, dass sie keine Cis-Männer sind. Sondern weil sie Expert_innen in diesem jeweiligen Bereich sind. Und Lust haben, dazu was zu sagen. So wie Ricarda und die Digitalisierung.

Und wisst ihr, was dann passiert? Wir gewöhnen uns mit den Jahren daran, Gesichter (hoffentlich) aller Geschlechter sich zu Technik, Bau-Ingenieurswesen, Bildung, Pädagogik, Pharmazeutik, etc etc. äußern zu hören. Und updaten unser sozialisiertes Bild im Kopf von dem „Experten“ zu „Expert_innen“.

Diese Bilder möchten wir dann auch gerne in die nächste Generation hineintragen. Damit meine Kusine Juristin wird (so wie sie es sich gerade vorstellen könnte) und Einladungen zu Panels und Interviews und wissenschaftlicher Forschung bekommt. Und sie keine Hemmungen haben braucht, Einladungen dazu entgegen zu nehmen, weil sie sich besonders im Rampenlicht als Person fühlt. Sich besonders beweisen müsste.
Sondern weil sie einfach gut ist.

Und wie finde ich jetzt diese Expert*innen für mein nächstes Panel?

Es gibt mehrere Netzwerke, die Frauen* miteinander connecten, um genau diesen Supoort herzustellen. Die Digital Media Women z.B. (Twitter: @DigiWomenB) oder auch die Global Digital Women (Twitter: @gd_women).
Wenn ihr nach Leuten sucht, achtet auf eure Sprache und darauf, ob wirklch alle Geschlechter angesprochen werden. Das kann bei Anreden sein (Wie fair eure Kommunikation ist, können wir gern mal checken! ;)) aber auch stereotypisch männlich* belegte Worte. Lasst mal Menschen jenseits eurer eigenen Gruppe eure Posts texten – gibt es da Unterschiede im Wording?

Schlussendlich führt kein Weg daran vorbei, sich mal mit den eigenen Privilegien auseinander zu setzen. Und den eigenen Annahmen und Lebensrealitäten.
Zumindest nicht, wenn man dem Menschenrecht zustimmt:

„Alle Menschen sind gleich an Rechten geboren.“

Und dann – dann werden hoffentlich alle Panels ausgeglichener besetzt sein (im besten Fall auch mit non-binären Menschen). So, wie die Cracking the Ceiling Conference sich schon sehr bewusst in diese Richtung bewegt hat.

Zum Weiterlesen:
Cassandra Scharber, Angelica Pazurek & Fan Ouyang (2017) Illuminating the (in)visibility of female scholars: a gendered analysis of publishing rates within educational technology journals from 2004 to 2015, Gender and Education, DOI: 10.1080/09540253.2017.1290219

https://www.theguardian.com/women-in-leadership/2015/may/08/the-power-of-visibility-why-need-to-keep-asking-where-are-all-the-women

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